Wahllexikon

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Schattenkabinett

Als Schattenkabinett bezeichnet man eine von einer Partei aufgestellte Gruppe aus Kandidaten, die im Falle des Wahlsieges die Regierungsposten im Kabinett übernehmen sollen.

Auswahl der Kandidaten

Ein Schattenkabinett wird von einer Partei aufgestellt, die sich entweder in der Opposition befindet oder, sofern sie schon Teil einer Koalition ist, die Regierung übernehmen will. Die einzelnen Schattenminister sind allerdings nicht zwangsläufig Teil der späteren Regierung. Welche Posten der Siegerpartei zukommen, entscheidet sich ohnehin erst in der Koalitionsverhandlung.

Bei der Auswahl von Personen für das Schattenkabinett versuchen die Parteien verschiedene Themengebiete abzudecken. Außerdem wird darauf geachtet, dass ein Teil des Kabinetts aus Frauen besteht und die unterschiedlichen Regionen eines Landes abgedeckt sind.

Gründe für das Schattenkabinett

Schattenkabinette werden vor allem deshalb aufgestellt, um den Wahlkampf zu personalisieren. Neben den inhaltlichen Aspekten des Wahlprogramms soll die Kompetenz der Schattenminister ein Argument im Wahlkampf sein. Auch soll Transparenz über das mögliche Kabinett hergestellt werden.

Lesen Sie hier mehr über den Schattenminister

Deutsche Parteien nutzen selten den Begriff „Schattenkabinett“, da dieser mit Geheimniskrämerei assoziiert werden könnte und so eine abwertende Bedeutung hat. Politiker sprechen stattdessen lieber von ihrer „Regierungsmannschaft“. In den letzten Jahren wurden auch Begriffe wie „Kompetenz“- oder „Spitzenteam“ etabliert, die nicht unbedingt alle möglichen Posten des nächsten Kabinetts abbilden. Die Presse hingegen spricht häufig vom Schattenkabinett.

Ursprung in Großbritannien

Das Konzept des Schattenkabinetts kommt ursprünglich aus Großbritannien, wo es auch „shadow cabinet“ genannt wird. Im britischen System dauert es von der Ankündigung zur Durchführung einer Neuwahl meist nur einen Monat – zu kurz, um mögliche Minister auszuwählen. Daher bildet die Partei in der Opposition parallel zur Regierung ein Schattenkabinett, um die Regierungsgeschäfte im Fall eines Wahlsiegs direkt übernehmen zu können.

Siehe auch: Schattenminister, Bundestagswahl, Bundestagsmandat, Bundestagsabgeordneter, Legislaturperiode, Spitzenkandidat

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