So funktioniert das Wahlsystem in Norwegen

Storting, großes Thing, Fylker – der Name des norwegischen Parlaments klingt nach skandinavischer Romantik und geht auf eine uralte Tradition zurück. Doch für die komplizierte Verteilung der Parlamentssitze ist harte Mathematik gefragt. Wie genau funktioniert das Wahlsystem in Norwegen?

Sitzverteilung nach Verhältnis-Prinzip

Das Storting ist das norwegische Parlament, das in den 19 Provinzen des Landes ­– Fylker genannt – gewählt wird. Die Legislaturperiode beträgt vier Jahre und kann auch nicht vorher beendet werden. Denn das Wahlsystem Norwegens sieht weder die Möglichkeit der Auflösung des Storting noch Neuwahlen vor. Gewählt wird traditionell an einem Montag im September, doch wer am Wahltag keine Zeit hat, kann auch schon vorher wählen.

Im Storting gibt es 169 Sitze. 150 davon werden in den Fylker gewählt und 19 zusätzliche Ausgleichsmandate aus diesen entsandt. Beim Wahlsystem Norwegens kommt eine komplizierte Methode der Sitzverteilung zum Einsatz, die eine möglichst gerechte Verteilung der Mandate gewährleisten soll: das Sainte-Laguë-Verfahren.

Sainte-Laguë-Verfahren entscheidet über Mandate

Das Wahlsystem Norwegens sieht vor, dass alle acht Jahre für jede Provinz eine sogenannte Verteilungszahl berechnet wird. Dazu wird die Bevölkerungszahl eines Fylkes mit der jeweiligen Quadratmeterzahl der Fläche addiert, wobei die Zahl der Fläche zuvor mit 1,8 multipliziert wird. Kompliziert? Hier ein Beispiel:

  • Eine Provinz hat 80.000 Einwohner und eine Fläche von 15.000 km². Die Rechnung lautet dann: 80.000 + 15.000 x 1,8 = 107.000.

Das Ergebnis ist dann die sogenannte Verteilungszahl, die bestimmt, welcher Provinz wie viele Sitze im Storting zustehen. Nach der Feststellung des Ergebnisses muss dann nochmal fleißig gerechnet werden, denn jetzt kommt das Sainte-Laguë-Verfahren zum Einsatz: Die Stimmzahlen, die die Parteien erhalten haben, werden jeweils durch die Zahlen 1,4; 2,4; 3,4 etc. geteilt. Die so errechneten Zahlen werden ihrer Größe nach aufgelistet und die Parteien mit den höchsten Zahlen erhalten die Sitze, die auf das Fylke entfallen.

Hier finden Sie ein detailliertes Rechenbeispiel für das Sainte-Laguë-Verfahren

Ausgleichsmandate gemäß dem norwegischen Wahlsystem

Schließlich geht es darum, die 19 Ausgleichsmandate zu verteilen. Die landesweiten Wahlergebnisse bestimmen wie in Deutschland, wie viele Sitze den Parteien nach dem Verhältniswahlrecht im Storting zustehen. Nur Parteien, die mehr als vier Prozent bekommen haben, können im Wahlsystem Norwegens von den Ausgleichsmandaten profitieren.

Die 19 Sitze werden wiederum nach dem Sainte-Laguë-Verfahren verteilt. Hat eine Partei in den Provinzen schon mehr Stimmen bekommen, als ihr verhältnismäßig zustehen, behält sie diese Sitze – die anderen Parteien bekommen dann entsprechend weniger Sitze. So oder so erfordert das Wahlsystem Norwegens gewiefte Mathematiker.

Norwegen: Uralte demokratische Tradition

Das war nicht immer so. Schon vor Jahrhunderten gab es in Nordeuropa Volksversammlungen, sogenannte Thing oder auch Ting, auf denen Gesetze erlassen und Recht gesprochen wurde. Im Mittelalter ging diese Tradition allerdings zurück. Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege entstand 1814 schließlich das liberale Wahlsystem Norwegens.

Die norwegische Parteienlandschaft ist recht vielfältig, gegenwärtig befinden sich acht verschiedene Parteien im Storting. Diese sitzen dort nicht getrennt nach Fraktionen, sondern nach Heimatprovinzen. Gegenwärtig wird Norwegen von einer Minderheitsregierung aus der konservativen Høyre und der eher rechten Fortschrittspartei regiert. Ministerpräsidentin ist Erna Solberg.

Am 11. September dieses Jahres wird dann ein neues Parlament in Norwegen gewählt, wir halten Sie in unseren #WahlNews natürlich auf dem Laufenden.

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