Das Wahlsystem von Italien ist kompliziert.

Am Sonntag und am Montag wird in Italien ein neues Parlament gewählt. Das Wahlsystem des Landes ist kompliziert. In unserem Blog erklären wir, wie es funktioniert.

Bei diesen Parlamentswahlen kommt erstmals das sogenannte Rosatellum zur Anwendung. Es ist ein gemischtes Wahlsystem, bei dem zwei Drittel der Sitze proportional über Parteilisten vergeben werden und ein Drittel nach Mehrheit in Einerwahlkreisen. Für die Abgeordnetenkammer mit 630 Sitzen und den Senat mit 315 Sitzen gilt dasselbe Verfahren.

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Insgesamt treten 38 Parteien an. Für die proportional verteilten Sitze gilt ein Quorum von 3 Prozent für Parteien und von 10 Prozent für Koalitionen. Erreicht eine Gruppierung weniger als 3 Prozent, gehen ihre Stimmen an die Koalitionspartner. Viele Klein- und Kleinstparteien haben sich deshalb größeren Gruppierungen angeschlossen. So ist die Liste +Europa um die ehemalige Radikale Emma Bonino etwa eine Koalition mit der sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) eingegangen. Die kleine Zentrumspartei Noi con Italia (Wir mit Italien) hat sich dem rechten Lager angeschlossen. Die Stimmen jener, die auf weniger als ein Prozent kommen, gehen verloren.

Keine Zweitstimme in Italien

Im Gegensatz zu anderen gemischten Wahlsystemen wie etwa dem deutschen, lässt das italienische keine Zweitstimme zu. Der Wähler kann entweder eine Stimme für einen Kandidaten in seinem Wahlkreis abgeben oder für eine Parteiliste. Die Wahlfreiheit wird dadurch eingeschränkt. Kleinere Gruppierungen und junge Parteien mit wenig bekannten Gesichtern sind klar im Nachteil.

Die Listenplätze sind fix. Der Wähler kann keine Präferenzstimme abgeben. Kandidaten können zudem gleichzeitig im Einerwahlkreis und auf Listen antreten. Damit ist das Überleben der jeweiligen Parteispitzen gesichert, auch wenn sie in ihrem Wahlkreis scheitern. Ein Punkt, der aktuell in den italienischen Medien stark kritisiert wird.

Vorraussichtlich keine klare Mehrheit

Das Wahlsystem Rosatellum ist stark proportional. Es sieht keinen Siegerbonus vor, enthält aber einige Anreize zur Koalitionsbildung. Vor allem in den Einerwahlkreisen sind Absprachen wichtig. Das geeint antretende rechte Lager hat dort grosse Vorteile. Der Partito Democratico hingegen dürfte der abgespaltene linke Flügel, die Liberi e Uguali (LEU, Frei und Gleich), vielerorts wichtige Stimmen kosten.

Laut italienischen Politologen und Wahlanalytikern wird voraussichtlich keiner der drei großen Blöcke eine Mehrheit der Sitze erobern können. Nur das rechte Lager aus Forza Italia (Italien voran), Lega Nord (Liga Nord) und der postfaschichstischen „Nationale Allianz” (Alleanza Nazionale, AN) hat laut seinen Berechnungen überhaupt eine Chance, auf eine Mehrheit von 316 Sitzen in der Abgeordnetenkammer zu kommen.

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