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Fakultätsrat, Senat, Studentenparlament, Fachschaftsrat, Gleichstellungsbeauftragte… Hochschulen wählen jedes Jahr.
Wir haben nachgefragt: Wie organisieren die Hochschulen ihre Wahlen, wo drückt der Schuh und was wünschen sich die Wahlleiter?

Im Herbst 2015 führte Polyas ein qualitatives Leitfaden-Interview mit Wahlleitern von 19 deutschen Hochschulen. Neben einer Analyse des Status Quo wollten wir dabei genau wissen, wie die Hochschulwahl der Zukunft aussehen soll.

Was wird an deutschen Hochschulen gewählt?

Die Bezeichnungen für die verschiedenen Gremien an Hochschulen sind vielfältig: Der Fakultätsrat heißt mancherorts Fachbereichsrat, der Akademische Senat firmiert auch mal als erweiterter Senat, die studentischen Selbstverwaltungsgremien, der studentische Konvent oder das Studentenparlament heißen mal auch Studentenrat… dazu werden an Hochschulen noch Fachschaftsräte gewählt, Ausländersprecher und Gleichstellungsbeauftragte. Zwei Universitäten stellen zusätzlich einen Schwerbehindertenbeauftragten zur Wahl und eine Universität bietet einen Posten für Chancengleichheit zur Abstimmung.
So sind die Wahlen an deutschen Hochschulen ebenso vielfältig, wie es Wahlordnungen in Deutschland gibt.

Viele Hochschulen stellen daher verschiedene Gremien gleichzeitig zur Wahl, um die Aufwände der Wahlorganisation zu bündeln:

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Anzahl von Hochschulwahlen pro Jahr

Eine Hochschule führt jährlich nur eine einzige Wahl durch, während 90% der Hochschulen mindestens drei Wahlen parallel durchführen.

Wie erfolgt die Wahlorganisation?

Drei Viertel aller befragten Universitäten geben an, die Wahlen zentral zu organisieren. Ca. 20% der Befragten organisieren die Gremienwahlen getrennt von den studentischen Wahlen. Dabei können diese Unterstützung vom zentralen Wahlamt der Universität erhalten. Zumeist ist ein Wahlamtsleiter verantwortlich für die Durchführung der Wahl. Einen zentralen Wahlvorstand haben 45% der Befragten berufen, zusätzlich arbeiten bei 40% der Universitäten einzelne Wahlvorstände in den jeweiligen Wahllokalen und bei 80% der Unis kommen außerdem ehrenamtliche Wahlhelfer zum Einsatz. Ein hoher personeller Aufwand also.

In 90% der befragten Hochschulen wird eine Präsenzwahl durchgeführt, das heißt, ehrenamtliche Helfer organisieren ein oder mehrere Wahllokale auf dem Campus zur Stimmabgabe. Die Briefwahl ist zumeist ein zusätzliches Wahlverfahren und wird in 60% der Institutionen auf Antrag durchgeführt oder ist gar fester Bestandteil der Hochschul-Wahlverfahren.

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Abgabe der Stimmzettel

Die Auszählung erfolgt bei acht Hochschulen zentral gesammelt per Hand, nur eine der befragten Universitäten nutzt elektronische Auszählungsverfahren. Ein Drittel der Befragten zählt dagegen direkt in den Wahllokalen aus, allerdings auch manuell.

Wo entstehen die höchsten Aufwände bei der Hochschulwahl?

Das Wählerverzeichnis sorgt oft für hohe Aufwände, da dies meist aus den verschiedenen Datensystemen zusammengeführt werden muss. Einige Wahlleiter geben an, dass die gelieferten Listen der Wahlberechtigten oft händisch überprüft werden müssen.

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Management des Wählerverzeichnisses

Neben diesen hohen Aufwänden in der Herstellung des Wählerverzeichnisses und der Prüfung der Datenqualität ist die Authentifizierung ein Problem für die Hochschulen: Bei den vorliegenden Wählerverzeichnissen ist oft kein eindeutiger Nachweis der Wahlberechtigung oder eine Kontrolle über die einmalige Stimmabgabe möglich.

Das Stimmzettel-Management ist die größte Baustelle für die Hochschulwahl-Organisatoren: Die Wahlberechtigten erhalten je nach Stimmrecht für jedes Gremium einen eigenen Stimmzettel. Bei bis zu sechs Wahlgängen kann das schnell eine Zettelwirtschaft werden, da die „Stimmzettel-Pakete“ individuell für jede Wählergruppe geschnürt werden müssen.
Sieben von 19 Universitäten (37%) geben an, mit dem Stimmzettel-Management die größten Probleme zu haben. Während sechs der befragten Hochschulen die Stimmzettel mit UniWahl4 erstellt, arbeiten mehr als die Hälfte der Befragten mit Word und Excel, um die Stimmzettel zu erstellen und den Wählergruppen zu zu ordnen.

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Erstellung der Stimmzettel

Doch nach dem Druck erfolgt für die Briefwahl auch noch der Versand: vier Wahlamtsleiter beschreiben hohe Aufwände mit den Logistikdienstleistern und sehen die unkalkulierbaren Versandzeiten der Briefwahlunterlagen als ein ernstes Problem. Und dann folgt auch noch…

Die Auszählung! Die (vorwiegend manuelle) Auszählung der ausgefüllten Stimmzettel ist ein großer Kostenpunkt und erfordert hohe Personalaufwände: bei einer großen Wahl arbeiten ca. 20 Personen jeweils vier Stunden um die abgegeben Stimmen auszuzählen. Gemessen an der Schwierigkeit, ehrenamtliche Helfer zu finden und diese zu schulen, ist dieser Punkt auch sehr sensibel, da fehleranfällig. Dementsprechend sehen mehr als 25% der Befragten die Auszählung als problematisch und würden hier gern digitale Prozesse verwenden.

Was leistet eine Online-Wahl für die Hochschule?

Die Stimmzettel werden per drag & drop erstellt – egal ob Personenwahl, freie Listenwahl, gebundene Listenwahl oder eine kombinierte Listenwahl. Sobald das Wählerverzeichnis (oder die Verzeichnisse) digital vorliegt, kann die Zuordnung der digitalen Stimmzettel auf Knopfdruck erfolgen. Hierfür muss nur bei jedem Wahlberechtigten eine eindeutige Zuordnung zu einer Wählergruppe hinterlegt werden. Das Wahlbüro reduziert die Komplexität des Wahlmanagements und die Wahl kann insgesamt schneller vorbereitet werden.

Alle befragten Universitäten haben von den Studenten alle E-Mailadressen vorliegen. Und so könnten die studentischen Wahlberechtigten effektiv über die Wahl informiert werden und ihre Zugangsdaten per Mail erhalten.

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Verfügbarkeit der studentischen E-Mailadressen

Ein Vorteil der Online-Wahl ist die große Flexibilität: Die Wähler können innerhalb des Wahlzeitraumes ihre Stimme von jedem Ort der Welt abgeben. Für mobile Digital Natives der komfortabelste Weg zur Partizipation. Bei allen Online-Hochschulwahlen von Polyas wurde die Wahlbeteiligung nachweisbar erhöht.

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About Anna-Maria Palzkill

Als Kommunikationswissenschaftlerin interessiere ich mich für den Einfluss von Technik auf das Leben zwischen Politik und Wirtschaft. Ich möchte kleinen Zwischentönen auf die Spur kommen und schrecke nicht vor großen Worten zurück.

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Online-Wahlforschung

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