Die KfW Bankengruppe nutzt die barrierefreie Online-Wahl von POLYAS

Wie wählen Menschen mit einer Sehbehinderung geheim? Entweder per Vertrauensperson oder mit einer Schablone – sofern eine vorhanden ist. Mit der POLYAS Online-Wahl gibt es nun eine dritte Methode, für die es nur einen Screenreader braucht. Die KfW Bankengruppe hat die barrierefreie Online-Wahl genutzt, um die Gleichstellungsbeauftragte zu ermitteln. POLYAS sprach mit John Hoppe, Abteilungsleiter für Human Resources und Koordinator der Wahl, Daniela Langen aus dem Wahlvorstand sowie der Wählerin Andrea Frank, die sehbehindert ist. #Kundeninterview

Frau Frank, Frau Langen, Herr Hoppe, welche Aufgaben erfüllt die Gleichstellungsbeauftragte der KfW?

John Hoppe: Die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten sind im Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG, Anm. d. Red.) festgelegt und zielen auf die tatsächliche Verwirklichung der formal gleichen Rechte von Frauen und Männern. Wichtige Themenfelder der Gleichstellungsbeauftragten der KfW sind zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Pflege und Privatem sowie die Förderung von Frauen in Führungspositionen.

Wie wurden die Abstimmungen früher durchgeführt?

Daniela Langen: Früher haben wir die Gleichstellungsbeauftragte per Briefwahl gewählt. Die Wählerinnen konnten die Briefwahlunterlagen per Post zurücksenden oder direkt beim Wahlvorstand abgeben. Eine Urnenwahl konnte aufgrund der verschiedenen Standorte der KfW aus rechtlichen Gründen nicht durchgeführt werden.

Was waren die wichtigsten Gründe dafür, dass sich die KfW für die Online-Wahl entschieden hat?

John Hoppe: Es ging uns vor allem darum eine Alternative zur Briefwahl zu finden, denn diese bringt einen extremen organisatorischen Aufwand mit sich. Die Briefwahlunterlagen müssen erstellt und manuell für den Versand vorbereitet werden. Die Wählerinnen haben auch einigen Aufwand, denn sie müssen alle nötigen Unterlagen ausfüllen und korrekt in die Umschläge stecken. Und es kann ja auch mal sein, dass so ein Brief in Vergessenheit gerät und bei der Wählerin liegen bleibt.

Daniela Langen: Bei der KfW gab es in diesem Jahr rund 2600 Wahlberechtigte. Für das Eintüten der Wahlunterlagen haben wir bei der letzten Wahl mit zehn Helferinnen und Helfern einen ganzen Arbeitstag gebraucht, für die Öffnung der Rückumschläge und die Auszählung nochmal genauso lange. Außerdem sind viele der Wahlberechtigten im Ausland beschäftigt, einige in Entwicklungsländern. Daher braucht der Versand und Rückversand der Unterlagen nicht nur Tage, sondern Wochen. Und auch das Auszählen funktioniert elektronisch natürlich viel schneller.

Andrea Frank: Ich finde es besonders wichtig, dass es viel nachhaltiger ist, online zu wählen. Schließlich spart man das ganze Papier. Damit übernimmt die KfW auch im Bereich Klimaschutz Verantwortung.

Frau Frank, wie genau läuft die barrierefreie Online-Wahl ab?

Andrea Frank: Das funktioniert mit einem Screenreader, der den Text auf dem Bildschirm vorliest. Das ging alles sehr schnell und hat super funktioniert. Oft hat man das Problem, dass die Websites zwar vorgeben maschinenlesbar zu sein, aber einzelne Buttons trotzdem nicht erfasst werden. Aber bei der Online-Wahl gab es dieses Problem nicht.

Welche Rückmeldung gab es sonst noch?

John Hoppe: Ich habe von einer weiteren sehbehinderten Wählerin gehört, die die barrierefreie Online-Wahl ebenfalls sehr gut fand. Zudem gab es nur eine Handvoll Wählerinnen, die technische Schwierigkeiten hatten, obwohl die Zahl der Wählerinnen ja nicht klein war. Und meist ist nicht geschimpft schon Lob genug, was auch hier gelten dürfte.

Daniela Langen: Die Wahlbeteiligung lag bei rund 53 Prozent, etwa neun Prozent höher als bei der letzten Wahl.

Wird die KfW erneut online wählen?

John Hoppe: Ja, wir werden definitiv auch die nächste Wahl zur Gleichstellungsbeauftragten online durchführen und würden auch gerne die Schwerbehindertenvertretung und den Personalrat elektronisch wählen. Aber anders als bei der Wahl zur Gleichstellungsbeauftragen sehen die entsprechenden Gesetze das noch nicht vor.

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