Priit Vinkel - Teilnehmer des Polyas Panels auf der re:publica im Interview

Stéphanie Plante ist Politikwissenschaftlerin an der Universität von Ottawa in Kanada. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Möglichkeiten der Digitalisierung für die Politik und wird in der kommenden Woche am Polyas Panel auf der re:publica teilnehmen. Wir stellen sie in unserer Interviewreihe vor.

Sie arbeiten als Politikwissenschaftlerin und waren in den vergangenen Jahren in die Planung verschiedener Wahlen in Kanada involviert. Wann haben sie angefangen, sich für die Themen Digitalisierung und Politik zu interessieren? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Mein beruflicher Hintergrund ist das Wahlmanagement. Mein Interesse an Politik und Digitalisierung wurde während meiner beruflichen Tätigkeit an der Universität von Genf geweckt. Die Schweiz führt Online-Wahlen und Online-Abstimmungen im Rahmen ihrer Initiativen zur direkten Demokratie ja schon seit einigen Jahren schrittweise ein und ich war fasziniert von dem Vertrauen, dass die Schweizer Bürger in das Online-Wahlsystem haben. Zurück in Kanada, hat sich meine Arbeit dann im Rahmen der Tätigkeit für Nicole Goodman, vom Zentrum für E-Demokratie an der Universität Ottawa, auf die Einführung von Online-Wahlen in der Provinz Ontario fokussiert.

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Stépahnie Plante, Politikwissenschaftlerin an der Uni in Ottawa.

 

Aus Ihrer Perspektive: Was sind momentan die wichtigsten Themen rund um Digitalisierung und Politik?

Vertrauen und die damit verbundene Problematik rund um das Thema Hacking. Die meisten Leute argumentieren, dass wir ja bereits online unsere Bankgeschäfte erledigen und Online-Wahlen damit ja nur noch der nächste Schritt sind. Aber so einfach ist es nicht! Es gibt einen großen Schritt in die richtige Richtung, Online-Wahlen künftig anbieten zu können, dieser bewegt sich allerdings noch zwischen der Erkenntnis der Verwundbarkeit von Online-Wahlen und der Vielzahl von Bürgern (beispielsweise im Ausland lebende Berufstätige), die davon profitieren würden. Ich finde,dass das eine gute Ausgangsposition ist, um über das Thema zu diskutieren.

Wie sehen Sie die momentane Ausgangssituation für Online-Wahlen generell. Estland hat bereits online gewählt, die Schweiz folgt nun…

Aus der Sicht einer Wahlmanagerin kann ich bestätigen, dass es wirklich Sinn macht und vor allem gut für Wähler ist, die im Ausland beruflich tätig sind wie z.B. Millitärdienstleistende oder Firmenmitarbeiter in ausländischen Büros. Viele Wähler, die bei der Präsenzwahl verhindert sind, schätzen die Möglichkeit zur Online-Wahl und die daraus resultierende Flexibilität und Mobilität sehr. Aber das kanadische System bietet neben der Online-Wahl noch mehr Möglichkeiten der Fernwahl. Derzeit bin ich also hauptsächlich neugierig darauf, wie wir elektronische Plattformen nutzen können, um bereits bestehende Kanäle zu optimieren. Es geht auch darum, den bereits vorhandenen Prozess der Wahl zu optimieren.

Sie werden in der kommenden Woche ebenfalls als Gesprächspartnerin des Polyas Panel an der re:publica teilnehmen. Worauf freuen Sie sich in diesem Zusammenhang ganz besonders?

Ich freue mich wahnsinnig darauf, Berlin erleben zu dürfen und mich auf der re:publica mit weiteren Experten austauschen zu können. Mich interessiert vor allem der Blick des dort anwesenden internationalen Fachpublikums. Auch die Bewertung der Zukunft der Demokratie und der Wahl – vor allem nach den Kontroversen rund um die letzte US-Wahl interessiert mich brennen. Ach ja, und natürlich freue ich mich auf das Essen. Vor allem auf deutsche Schnitzel.