Priit Vinkel - Teilnehmer des Polyas Panels auf der re:publica im Interview

Seit Montag ist die re:publica 2017 in Berlin in vollem Gange. Am Mittwochnachmittag ist Polyas dort mit einem Panel vertreten. Tomasz Truderung Head of Research bei Polyas wird dort unter anderem mit Politikwissenschaftlern und Informatikern über das Pro und Contra von Online-Wahlen diskutieren. Wir stellen ihn in unserer Interviewreihe vor.

Was ist Ihre Position bei Polyas? Wie sieht ihre Arbeit aus?

Ich bin der Head of Research bei Polyas. Die Aufgabe des Research-Teams ist es, unsere Vorreiterrolle bei modernen elektronischen Wahlen zu bewahren, ausdrücklich bei Themen wie Wähleranonymität, End-to-End-Verifizierbarkeit und verwandte Sicherheitskonzepte. Gerade beenden wir das Design und die Implementierung der zweiten Generation unserer Online-Wahlsoftware, die auf hochmodernen Kryptographie-Mechanismen basiert und schon bald die bisher genutzte Lösung ersetzen wird. Darüber hinaus suchen wir nach Möglichkeiten, um unser Produkt zu stärken und wettbewerbsfähig zu bleiben, wie etwa Wege um die Blockchain-Technologie fürs E-Voting zu nutzen.

Panel-Teilnehmer Thomasz Truderung, Head of Research bei Polyas

Panel-Teilnehmer Tomasz Truderung, Head of Research bei Polyas

Wann haben Sie angefangen sich mit Digitalisierung zu beschäftigen? Gab es einen Schlüsselmoment?

Im Grunde gab es während meiner gesamten beruflichen Laufbahn Berührungspunkte zur Informationstechnologie und ähnlichen Dingen. Also würde ich sagen: schon immer.

Was sind Ihrer Meinung nach gerade die wichtigsten Themen im Bereich Digitalisierung?

Was mir wichtig erscheint und mich irgendwie beunruhigt ist, dass wir als Individuen und auch als Konsumenten die Kontrolle über unsere digitale Privatsphäre verlieren. Es gibt die enorme Verdichtung von Big Data in der Hand großer Unternehmen, die diese Informationen wie Waren handeln und verkaufen. Und es gibt auch diese schleichende Auflösung von Datenschutzrechten im Namen der Sicherheit, wo mehr und mehr Macht an die Regierungsbehörden abgegeben wird. Es ist schwierig eine gesunde Demokratie mit unabhängigen Journalisten und Politikern zu behalten, wenn sich dieser Prozess fortsetzt.

Wie sehen Sie die Situation fürs E-Voting in Europa? Estland hat es schon gemacht, die Schweiz wird folgen…

Abgesehen von ein paar Experimenten, die wir in diesem Bereich bisher gemacht haben, stehen wir bei der Nutzung des E-Votings für öffentliche, politische Wahlen immer noch am Anfang. Meiner Meinung nach müssen wir das Vertrauen in die elektronischen Wahl-Techniken schrittweise aufbauen und dabei vorsichtige und durchdachte Schritte machen. Und wir müssen uns daran erinnern, dass jedes unglückliche Experiment das Vertrauen in die ganze Idee unterläuft. Aus diesem Grund gefällt mir besonders das schweizer Vorgehen: Sie haben einen vernünftigen, wohl durchdachten Fahrplan aufgestellt, um die elektronische Wahl allmählich einzuführen und nicht kopfüber hineinzuspringen. Ich denke, dass dies ein gutes Model ist.

Sie werden beim Polyas-Panel bei der re:publica dabei sein. Was erwarten Sie von diesem Event? Gibt es etwas, worauf Sie sich besonders freuen?

Als ein vorsichtiger Enthusiast von Online-Wahlen mit hauptsächlich technischem Background freue ich mich bei der re:publica darauf, über verschiedene Meinungen und Perspektiven zu diskutieren. Die Online-Wahl kann kontrovers aufgenommen werden. Sie hat diesen sehr technologischen und mathematischen Aspekt, der für Nicht-Experten größtenteils unverständlich ist. Und sie hat politische und soziale Aspekte. Daher ist es so wichtig, dass wir lernen, miteinander zu kommunizieren und uns gegenseitig zu verstehen. Ich glaube, dass unser Panel eine fantastische Möglichkeit für einen solchen Dialog bietet.