Vertreterwahlen in Genossenschaften

Die Ursprünge der genossenschaftlichen Idee reichen bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Das genossenschaftliche Prinzip ist aber auch heute noch so aktuell wie damals. Eng verbunden mit der genossenschaftlichen Kooperation sind seit jeher auch demokratische Prozesse. Online-Wahlen können daher auch die genossenschaftliche Demokratie ins 21. Jahrhundert überführen.

Genossenschaftliche Partizipation

„Der Genossenschaftsgedanke ist heute so funkelnagelneu wie vor 150 Jahren. Man müsste ihn erfinden, wenn er nicht bereits erfunden wäre“ (Roman Herzog, ehem. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland)

Die genossenschaftliche Idee entstand aus einer Notsituation im beginnenden Zeitalter der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals sahen sich Kleingewerbetreibende, Handwerker und Kleinbauern mit dem Problem konfrontiert, dass sie von der Kreditvergabe der Banken weitgehend abgeschnitten waren, da diese sich fast nur noch auf die Finanzierung von Industrieunternehmen konzentrierten.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 - 1888)

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888)

Dieses Problem konnten die Kreditsuchenden nur gemeinsam lösen: Indem sich die Kreditsuchenden zusammenschlossen und sich gegenseitig bei Finanzierungen unterstützen, wurden sie insgesamt kreditfähig. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage resultierte also aus der Bündelung der Kräfte der Genossenschaftsmitglieder, die aus dem Zusammenschluss von Individuen entstand.

„Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele.“ (Friedrich Wilhelm Raiffeisen)

Die Besonderheit der Mitgliedschaft in einer Genossenschaft ist dabei, dass die Mitglieder sowohl Eigentümer, Leistungspartner als auch Entscheidungsträger in Personalunion sind. Zu den aus den Rechten, die sich aus der Mitgliedschaft ergeben, gehören daher auch die Mitverwaltungsrechte (beispielsweise Wahl- und Stimmrecht).

Online-Wahlen: Genossenschaftliche Vertreterwahlen des 21. Jahrhunderts

Aufgrund ihrer stark gewachsenen Mitgliederzahlen sind viele Genossenschaften im 20. Jahrhundert dazu übergegangen, Vertreterversammlungen einzuführen, bei denen sich die Mitglieder in den Versammlungen durch gewählte Vertreter repräsentieren lassen. Bei den dazu notwendigen Vertreterwahlen wurde in der Vergangenheit sehr häufig das Briefwahlverfahren eingesetzt. Doch Briefwahlen verursachen hohen administrativen Aufwand und hohe Kosten: Briefwahlunterlagen müssen erstellt, verschickt, zurückgesendet und manuell ausgezählt werden.

Bei einer Online-Wahl reduzieren sich die Kosten für die Wahlorganisation auf ein Minimum. Zentrale Aufgaben, wie die Führung des Wählerverzeichnisses, der Druck und Versand von Wählerinformationen, die Durchführung der Wahl und die Stimmauszählung können digital per Knopfdruck erfolgen.

Weiterhin reduzieren Online-Wahlen auch die Barrieren, die bei Briefwahlen bestehen und nehmen damit Rücksicht auf auf die Bedürfnisse der Mitglieder. So können sie bei der Online-Vertreterwahl jederzeit und bequem ihre Stimme abgeben. Online können Stimmberechtigte zudem stärker motiviert werden, an der Wahl teilzunehmen. Dies stärkt das Gefühl der Mitglieder, bei dieser wichtigen Entscheidungen eingebunden zu sein. Das „Wir“-Gefühl wird so gestärkt, also das Gefühl ein wichtiger Teil der Genossenschaft zu sein.

Moderne Genossenschaften wählen online

Seit der Novellierung des Genossenschaftsgesetzes im Jahr 2006 können alle Genossenschaften Online-Wahlen durchführen, egal ob Kreditgenossenschaft, Wohnungsbaugenossenschaft, Einkaufsgenossenschaft, landwirtschaftliche Genossenschaft oder jede weitere Form der genossenschaftlichen Kooperation. Das deutsche Online-Wahlsystem Polyas gewährleistet, dass die Ergebnisse der Online-Wahl sicher und rechtsverbindlich sind.

Bereits einige Genossenschaften führen ihre Vertreterwahlen über das Onlinewahlsystem Polyas durch. Beispiele hierfür sind für die Kreditgenossenschaften die PSD Bank Westfalen-Lippe und für Wohnungsbaugenossenschaften die Vertreterwahl der GE-WO in Oberhausen, die auch in diesem Jahr wieder mit Polyas durchgeführt wird.