In Spanien und der Schweiz wurde abgestimmt

Seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 2000 haben die Peruaner am 10. April 2016 zum vierten Mal einen Präsidenten, zwei Vizepräsidenten, 130 Kongressabgeordnete und 5 Abgeordnete für das Andenparlament gewählt. Insgesamt 23 Millionen Peruaner waren zum Urnengang aufgerufen.

Keine absolute Mehrheit für Keiko Sofía Fujimori

Die Tochter des ehemaligen Staatschefs Alberto Fujimori erzielte 39,2 % der Stimmen und zieht am 5. Juni gegen Pedro Pablo Kuczynski, der 24,3 % der Stimmen holte, in die Stichwahl.

Turbulenter Wahlkampf

Viel hat man im Vorfeld über den Wahlkampf und die verschiedenen Kandidaten und Kandidatinnen gehört.
Diskussionen regte vor allem die Favoritin für das Präsidentenamt Keiko Sofía Fujimori an. Sie ist die Tochter des ehemaligen peruanischen Potentaten Alberto Fujimori, der am 05. April 1992 den Kongress auflöste und das Land bis zum Jahr 2000 allein regierte. Alberto Fujimori ist verantwortlich für die Zwangssterilisierung von etwa 375.000 Frauen und Männern im ganzen Land. Unter dem Deckmantel der Familienplanung und Armutsbekämpfung wurden zwischen 1996 und 2001 Männer und Frauen oft ohne Narkose unfruchtbar gemacht. Amnestie International spricht von einem der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschenrechte Amerikas. Wegen des Einsatzes von Todesschwadronen wurde Fujimori im Jahr 2009 schließlich zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Zum zweiten Mal trat nun seine Tochter Keiko bei der Präsidentschaftswahl in Peru an.

Wie weit fällt der Apfel vom Stamm?

Lange leugnete Keiko Fujimori, die Vergehen ihres Vaters. So sprach sie einmal von insgesamt 30 von der Zwangssterilisierung betroffenen Frauen in ganz Peru. Zu befürchten steht, dass Fujimori das Land zurück in die Diktatur führt und zudem ihren Vater begnadigen lässt.
Viele Peruaner unterstützen Keiko Fujimori trotzdem, weil sie der Meinung sind, dass das Land ihrem Vater viel verdankt, so bekämpfte er beispielsweise den linken Terror und verschaffte dem Land einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung.
Wirtschaftlichen Aufschwung und eine bessere Infrastruktur versprechen sich die Anhänger auch von Keiko Sofía Fujimori, die den „Plan Peru“ angekündigt hat. Mehr Geld für Bildung, Transport und Gesundheit und eine härtere Hand gegen Verbrecher, mit Hilfe des Militärs. Diese Politik erinnert stark an den korrupten Vater. Zwar gelobte Fujimori im Vorfeld die Werte der Demokratie zu wahren, doch einige Peruaner hegen Zweifel an der Politik der 40-jährigen.

Keiko_Fujimori

Präsidentschaftskandidatin Keiko Sofía Fujimori

Die Hälfte der Kandidaten trat im Vorfeld zurück

Insgesamt traten 19 Kandidaten zur Präsidentschaftswahl an, doch fast die Hälfte zog die Kandidatur zurück oder wurde wegen formaler Fehler und Stimmenkauf ausgeschlossen.
Auch Keiko Fujimori stand unter dem Verdacht des Stimmenkaufs, aber die Wahlkommission entschied sich, sie nicht auszuschließen. In die Kritik geriet Fujimori außerdem, weil einer ihrer wichtigsten Wahlkampf-Financiers an einer Briefkastenfirma der Kanzlei Mossack Fonseca beteiligt sein soll. Diese löste in der vorletzten und letzten Woche mit den „Panama Papers“ einen Skandal aus. Informanten, die Daten der Kanzlei weitergaben, beweisen, dass verschiedene Staatschefs mit Hilfe von Mossack Fonseca Steuern hinterzogen haben.

Proteste gegen Fujimori und die Wahlkommission

Nicht alle Peruaner sind mit der Wahlkommission zur Präsidentschaftswahl 2016 einverstanden. Sie werfen ihr Korruption und parteiisches Handeln vor. Aufgrund der Korruptionsvorwürfe gegen Keiko Fujimori und die Wahlkommission gab es im Vorfeld der Wahl starke Proteste. Zuletzt starben am Samstag sieben Menschen bei zwei Angriffen, die der kommunistischen Guerilla „Leuchtender Pfad“ zugeschrieben werden.

Eine Präsidentin in Peru?

Zehn Kandidaten stellten sich am gestrigen Sonntag zur Wahl, nur zwei von ihnen konnten Keiko Fujimori ernsthafte Konkurrenz machen. Die Linke Verónika Mendoza und der 77-jährige Pedro Pablo Kuczynski.
Nachdem Mandoza gestern 16,6 % der Stimmen erzielen konnte, sieht es so aus, als würde Fujimori in der Stichwahl gegen den 77-jährigen Pedro Pablo Kuczynski antreten, der ebenso wie sie ein neoliberales Wirtschaftssystem vertritt und als Kandidat der Unternehmer gilt. In der Stichwahl am 5. Juni wird sich entscheiden, welcher Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen erzielt und Präsident oder Präsidentin wird.

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About Elisa Utterodt

Egal ob in Österreich, Syrien oder den USA, politische Entscheidungen und Demokratie sind für mich nicht nur in Deutschland von Belang. Vor allem der Einfluss der Digitalisierung auf Kultur und Gesellschaft ist für mich ein spannendes wie aktuelles Thema, über das ich gerne berichte. Wenn ich nicht gerade Zeitung lese oder meine Twittertimeline checke, schaue ich mir zur Entspannung Bundestagsdebatten im Fernsehen an. Seit März dieses Jahres bin ich bei Polyas für die Pflege der Social Media Kanäle zuständig, schreibe Blogartikel und unterstütze das Online-Marketing-Team.

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