FDP NRW hat online mit Polyas gewählt.

Die FDP NRW war neben den Grünen und den Liberalen in Schleswig-Holstein der erste Landesverband, der seine Mitglieder in einer Online-Wahl zur Koalition abstimmen ließ. Polyas hat mit Ralph Sterck, dem Hauptgeschäftsführer der Liberalen in NRW, darüber gesprochen.

Die FDP NRW hat erstmalig einen Mitgliederentscheid online durchgeführt. Warum haben sie sich im Landesverband für eine Online-Abstimmung entschieden?

Wir hatten nur ein kleines Zeitfenster zwischen dem Ende der Koalitionsverhandlungen und der geplanten Wahl des Ministerpräsidenten. Im üblichen schriftlichen Verfahren hätte uns das zwei Wochen gekostet. Mit der Online-Abstimmung konnten wir das auf eine Woche verkürzen.

Wie haben die Parteimitglieder der FDP NRW die Entscheidung aufgefasst?

Da wir eine sehr moderne Partei sind und das Thema Digitalisierung einer unserer Schwerpunkte im Wahlkampf war, ist die Sache sehr wohlwollend und positiv aufgenommen worden.

Gab es Gegner dieses Verfahrens? Was waren deren Gründe?

Nein, aber es gab vorher durchaus Bedenken, ob das alles so klappen würde. Die verstummten aber im Laufe des Verfahrens dank der transparenten Darstellung und des reibungslosen Ablaufs.

Wie wurden die Mitglieder über die Online-Abstimmung informiert? Ihre Altersstruktur ist ja recht durchmischt.

Wir haben alle mit einem individuellen Zugangscode angeschrieben. Außerdem wurden alle per eMail erreichbaren Mitglieder vorab informiert. Und die Presse hat breit über das Verfahren berichtet, so dass alle sehnsüchtig auf den Brief mit dem Code gewartet haben. Das war übrigens das größte Handikap bei der Sache: Die Post hat teilweise bis zu einer Woche für die Zustellung gebraucht. Ich bin sehr froh, dass wir für den Rückweg der Stimmen nicht auch den Postweg genutzt haben.

Wie sah die Wahlbeteiligung aus? Sind sie zufrieden?

Wir haben natürlich erst gefiebert, dass das Quorum von 25% zustande kommt. Als die Hürde nach vier Tagen geknackt war, flachte die Beteiligung aber nicht ab. Am Ende waren wir stolz, dass gut 40% der Freien Demokraten in Nordrhein-Westfalen sich beteiligt haben.

Konnten Sie einen Eindruck davon gewinnen, wie andere Parteien bzw. Landesverbände auf dieses Verfahren geblickt haben?

Wir hatten den Tipp, Polyas anzusprechen, von unseren Parteifreundinnen und -freunden aus Schleswig-Holstein bekommen, die es auch für ihren Koalitionsvertrag eingesetzt haben. Die hatten es etwas leichter, weil sie keinen Entscheid, sondern nur eine Befragung durchgeführt haben. Aber ich glaube, dass die Kollegen von der CDU schon etwas neidisch auf uns geschaut haben, weil die zur Genehmigung des Koalitionsvertrags ja noch einen klassischen Parteitag mit mehr Aufwand und Kosten und weniger Beteiligung machen mussten.

Würden Sie einen Mitgliederentscheid wieder online durchführen?

Ja, in so einer Situation auf jeden Fall.

Wie steht ihr Landesverband dazu, vielleicht irgendwann einmal Landtags- und Bundestagswahlen, neben Wahlkabine und Briefwahl, zusätzlich auch online stattfinden zu lassen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass das irgendwann kommt.

Mehr zu Online-Wahlen in Parteien, finden Sie hier.

About Laila Oudray

Um die Welt zu gestalten und zu verbessern, benötigt man Informationen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese Informationen zu recherchieren und hoffentlich unterhaltsam aufzubereiten. Wenn ich nicht gerade das World Wide Web für die interessantesten Themen durchforste, lebe ich meine musikalische Seite aus und singe (wie man mir sagt, auch gar nicht so schlecht). Seit April arbeite ich bei Polyas. Hier bin ich für die Pressearbeit zuständig und schreibe Blogartikel.

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Digitale Demokratie

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