
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wählten für ihre Satzungsreform 2026 den Weg der Urabstimmung und vertrauten auf ein digitales Verfahren, das allen Mitgliedern unabhängig von Wohnort und Tagesablauf eine Teilnahme ermöglichte.
Die digitale Urabstimmung von Bündnis 90/Die Grünen
Für den Bundesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellte POLYAS das Online-Wahlsystem bereit und begleitete die Durchführung bis zum Abschluss am 30. Juni 2026. Die Parteimitglieder konnten auf 17 Stimmzetteln zu Fragen der Parteisatzung, der Gremienstrukturen und der Beteiligungsformate Stellung nehmen.
Um alle Mitglieder optimal zu erreichen und gleichzeitig den Aufwand der Wahlorganisation zu reduzieren, wurde die Urabstimmung online-first umgesetzt. Das genutzte Online-Wahlsystem war der POLYAS CORE 3 Verifiable. Für die Urabstimmung wurde eine dedizierte Instanz auf einem OTC-Cluster der Open Telekom Cloud eingerichtet. Die Urabstimmung lief vom 9. bis zum 30. Juni 2026 und richtete sich an rund 183.000 Mitglieder. Neben der technischen Umsetzung war vor allem wichtig, dass die Mitglieder Vertrauen in das Verfahren entwickeln konnten.
Organisation und Durchführung mit dem POLYAS Election Management
Es war entscheidend, dass das Projekt organisatorisch gut begleitet wurde. Mit der Buchung des Election Managements wurde BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ab Projektstart eine feste persönliche Ansprechpartnerin bei POLYAS zur Seite gestellt. Diese Election Managerin übernahm nicht nur die Einrichtung und Tests der Urabstimmung, sondern koordinierte auch alle beteiligten internen und externen Akteure, einschließlich benannter Dienstleister. Hinter dem Election Management stand ein spezialisiertes Team, das den gesamten Prozess von der Anforderungsaufnahme (Kick-off-Meeting), über Planung, Kommunikation, Sicherheitsabsprachen bis zur praktischen Bereitstellung und Durchführung der Urabstimmung betreute.
Einladung, Stimmabgabe und Auszählung
Alle Mitglieder erhielten mit ihrer individuellen Wahleinladung die Zugangsdaten zur Urabstimmung. Der Großteil der Einladungen wurde per E-Mail, der Rest postalisch an die bei der Partei hinterlegten Adressen geschickt. Der E-Mail-Versand konnte direkt aus dem Wahlportal angestoßen werden und wurde durch POLYAS abgewickelt. In allen Wahleinladungen wurde über die Möglichkeit zur Beantragung von Briefwahl informiert. Die Mitglieder konnten bis zu einem festgelegten Termin Briefwahlunterlagen anfordern, die dann von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN selbst verwaltet, gedruckt und versendet wurden.
Jedes Mitglied authentifizierte sich zur Stimmabgabe online mit einer persönlichen Wähler-ID und einem Passwort und gab seine Stimme verbindlich und geheim ab. Nach Ende der Abstimmungsphase wurde das Ergebnis der Urabstimmung automatisiert ausgezählt.
Individuelle Gestaltung des Online-Wahlsystems
Das Online-Wahlsystem wurde auf die speziellen Bedürfnisse der Partei abgestimmt: eigenes Logo, Design in den Parteifarben, angepasste Systemtexte und farbige Stimmzettel. Da die insgesamt 17 Abstimmungsfragen teilweise umfangreiche Textteile enthielten, wurde ein Inhaltsverzeichnis für die Stimmzettel integriert. Dies ermöglichte den Mitgliedern eine verbesserte Navigation und Übersichtlichkeit. Eine verpflichtende Bestätigung der eigenständigen Stimmabgabe sorgte zusätzlich für Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Abstimmungsprozess.
Sicherheit, Verfügbarkeit und Betrieb
Für maximale Sicherheit und Verfügbarkeit wurde das Online-Wahlsystem als dedizierte Instanz auf einem OTC-Cluster der Open Telekom Cloud mit BSI-C5-Zertifizierung betrieben. Dies garantierte, dass keine Ressourcen gemeinsam mit Fremdsystemen genutzt wurden. So wurden Angriffsflächen minimiert und die Integrität der Urabstimmung erhöht. Der Schutz vor Angriffen und unbefugten Zugriffen erfolgte durch eine vorgeschaltete Web Application Firewall (CloudWAF). Für besonders kritische Zeiträume wurden ergänzend erweiterte Service-Level-Agreements eingerichtet, um eine hohe Verfügbarkeit (99,5 %) und schnelle Reaktionszeiten sicherzustellen. Die Projektverwaltung erfolgte für mehrere berechtigte Personen der Partei im geschützten Wahlleitungsportal.
Flexibilität während der Durchführung
Im Projektverlauf zeigte sich, dass Flexibilität in der Umsetzung ein wichtiger Erfolgsfaktor war. Beispielsweise meldeten sich nachträglich Mitglieder, die trotz zuvor beantragter Briefwahl doch online abstimmen wollten. Diese Anforderung konnte in die laufende Durchführung aufgenommen werden und somit zusätzliche Teilnahme ermöglichen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN entschieden sich dazu kontinuierlich Wahlerinnerungen zu versenden. Diese wurden analog zur Wahleinladung automatisiert aus dem System heraus an diejenigen Mitglieder versendet, die ihre Stimme bis dahin noch nicht abgegeben hatten.
Universelle Verifikation: unabhängige Prüfung des Wahlergebnisses
Ein zentrales Sicherheitsmerkmal des POLYAS CORE 3 Verifiable ist die sogenannte universelle Verifikation, die den gesamte Prozess der Stimmabgabe und Auszählung der Stimmzettel nachvollziehbar macht.
Nach dem Ende der Auszählung werden bei Bedarf die Datei für das Wahlergebnis, der Beweis über die Korrektheit des Auszählungsprozesses und die Inhalte der öffentlichen Bulletin Boards (Komponenten des Online-Wahlsystems), welche wiederum den Inhalt der Wahlurne (Stand bei Wahlende) sowie die Ergebnisse aller Zwischenschritte (inklusive der Zero-Knowledge-Proofs) enthalten bereitgestellt.
Mit diesen Dateien sowie dem Verifikationstool kann der Wahlvorstand den korrekten Ablauf der Auszählung überprüfen und die Korrektheit des Auszählungsprozesses bestätigen. Hierfür können Tools von Drittanbietern genutzt werden. Alternativ stellt POLYAS ein separates Verifikationstool bereit.
Die universelle Verifikation geht damit deutlich über eine bloße Plausibilitätskontrolle hinaus. Sie schafft eine belastbare technische Grundlage dafür, dass Wahlleitungen, Auditor:innen oder andere legitimierte Stellen die Integrität einer Online-Wahl eigenständig bestätigen können.
Individuelle Verifikation: Kontrolle durch die Wahlberechtigten
Neben der Überprüfung auf Ebene des Wahlveranstalters bietet POLYAS auch eine individuelle Verifikation für die einzelnen Wahlberechtigten. Diese Funktion ermöglicht es jeder wählenden Person, unmittelbar nach der Stimmabgabe selbst zu prüfen, ob der eigene Stimmzettel korrekt und unverändert in der digitalen Wahlurne gespeichert wurde.
Nach der Stimmabgabe wurde ein individueller QR-Code angezeigt. Dieser konnte mit einem zweiten internetfähigen Gerät, zum Beispiel einem Smartphone, gescannt werden. Anschließend erhielt der Wahlberechtigte eine lesbare Darstellung des Stimmzettels.
Open Source: Transparenz auf technischer Ebene
Ein weiterer überzeugender Aspekt war die Transparenz des POLYAS CORE 3 Verifiable. Die wichtigsten Komponenten des Wahlsystems sind offen zugänglich und werden unter https://github.com/polyas-voting zur Verfügung gestellt. Insbesondere der Grundsatz der geheimen Wahl wird so nachvollziehbar dokumentiert. Die Offenlegung des Sourcecodes ermöglicht eine unabhängige Überprüfung durch Fachöffentlichkeit, Forschung und IT-Sicherheitsexpert:innen.
Gerade im Kontext von Online-Wahlen ist Open Source deshalb ein starkes Argument: Denn Vertrauen in ein Wahlsystem sollte nicht allein auf organisatorischen Aussagen beruhen, sondern auch auf technischer Prüfbarkeit. Die Offenlegung des Codes erschwert das Verbergen unerwünschter Funktionen, erhöht die Qualität durch externe Prüfung und fördert das Vertrauen in die technische Architektur des Systems. Sie ergänzt damit die individuelle und universelle Verifikation sinnvoll.

Leah Aziz Mohammadi, erfahrene Vertriebsmitarbeiterin für Online-Wahlen für Parteien.
Digitale Beteiligung ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist Gegenwart. Parteien, die ihren Mitgliedern einfache und sichere Wege zur Mitbestimmung bieten, stärken Vertrauen, Bindung und Legitimität. Die Technik ist erprobt, der rechtliche Rahmen steht, und POLYAS begleitet Sie als erfahrene Partner durch den gesamten Prozess.
