Wie sicher ist die Briefwahl?

Die Nachfrage nach der Briefwahl steigt kontinuierlich durch die höhere Mobilität unserer Gesellschaft – vermutlich gibt es einen Rekord bei der EU-Wahl 2019. Der Bundeswahlleiter steht dieser Entwicklung kritisch gegenüber und sieht die Einhaltung der Wahlgrundsätze in Gefahr. POLYAS betrachtet die Sicherheit von Fernwahlsystemen, wie der Brief- und der Online-Wahl, als wesentlichen Faktor für die Einhaltung der Wahlgrundsätze. Doch wie sicher ist die Briefwahl? POLYAS hat beide Fernwahlsysteme vergleichend untersucht.

Stimmabgabe per Fernwahl

Briefwahlen dienen bei politischen Wahlen und anderen Wahlen (Betriebsratswahlen, Sozialversicherungswahl etc.) als Ergänzung zur Urnenwahl, damit Wahlberechtigte mehr Freiheit in puncto Ort und Zeitpunkt ihrer Stimmabgabe gewinnen und die Wahlbeteiligung steigt.

Als weitere Form der Fernwahl etabliert sich die elektronische Wahl (im Folgenden: Online-Wahl) über das Internet in einigen gesellschaftlichen Institutionen (Kammern, Kirchen, Genossenschaften, Hochschulen und Vereine). Ziel der Online-Wahl ist eine barrierearme Stimmabgabe mit hohem Komfort für die Wahlberechtigten bei gleichzeitiger Gewährleistung von Transparenz, Verantwortlichkeit, Sicherheit und Effizienz von Wahlprozessen.

Bedroht eine steigende Nachfrage nach der Briefwahl die Wahlgrundsätze?

Der Bundeswahlleiter Georg Thiel sieht die steigende Nachfrage nach der Briefwahl kritisch. Diese würde sich zwar positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken, aber den Grundsatz der Urnenwahl und somit die Prinzipien der gleichen und geheimen Wahl bedrohen. Lesen Sie mehr dazu.

Damit eine Fernwahl allen Wahlgrundsätzen entspricht, muss sie verschiedenen Sicherheitsansprüchen gerecht werden, um gegen Wahlbetrug und Störungen im Wahlverlauf gewappnet zu sein. Wie genau sind die Systeme der Briefwahl und der Online-Wahl gegen Risikofaktoren abgesichert?

Wie sicher ist die Briefwahl?

Von der Erstellung der Briefwahlunterlagen über die Zusammenstellung und den Versand, bis hin zur korrekten Rücksendung und Zählung der Wählerstimmen durchlaufen personalisierte Briefwahlunterlagen viele Stationen und gehen durch viele Hände – meist ohne objektive Kontroll- und Dokumentationsmechanismen. So können etwa bei der Erstellung und Zuordnung der Stimmzettel, auf dem Postweg oder bei der Stimmauszählung Störungen auftreten.

Wahlbetrug

Wahlfälschung oder auch Wahlbetrug ist eine der häufigsten und folgenreichsten Störungen beim Ablauf von Briefwahlen. Hierbei handelt es sich um die nicht wahlrechtskonforme Auslieferung von Stimmzetteln oder unberechtigtes Ausfüllen von Briefwahlunterlagen, wie bei der Stendaler Kommunalwahl 2014. Auch sind Vorkommnisse, wie Unterschlagung und Entwendung von Stimmzetteln, in größerer Zahl bekannt geworden.

Stimmenverluste

Briefwahlstimmen müssen zunächst durch einen Dienstleister transportiert werden, durch den Wahlveranstalter gelagert und schließlich von Wahlhelfern in der Regel per Hand ausgezählt werden, was nicht nur Zeit kostet, sondern bei menschlichem Versagen und Betrug zu Fehlern und Stimmenverlusten führen kann. So wurden etwa bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im Jahre 2011 397 Wählerstimmen in einer Mülltonne einer Wohnanlage gefunden, oder bei der Europawahl 2009 800 abgegebene Briefe mit Stimmzetteln im Wahlbezirk Berlin Pankow von der Deutschen Post vergessen.

Wie sicher ist die Online-Wahl?

Sichere Online-Wahlsysteme, wie POLYAS, arbeiten mit hochsensiblen Kryptoverfahren, die eine wahlrechtskonforme und nachweislich sichere Stimmabgabe ermöglichen. Dementsprechend bedingen unbefugte Zugriffe auf ein Online-Wahlsystem einen sehr hohen Wissensstand auf technischer Ebene – und im Zweifelsfall ist alles dokumentiert.

Unbefugte Stimmabgabe und Manipulation von Stimmzetteln

Das nachweislich sichere Online-Wahlsystem POLYAS hat Mechanismen implementiert, wodurch Stimmzettel in der Wahlurne weder verändert noch gelöscht oder unbefugt hinzugefügt werden können.

Im POLYAS Online-Wahlsystem erfolgt die Stimmabgabe ausschließlich über verschlüsselte Internetverbindungen (SSL); Passwörter liegen niemals im Klartext vor (SHA-256-Algorithmen). Der Stimmzettel wird bereits auf Seite des Wahlberechtigten verschlüsselt und nur in verschlüsselter Form an die Wahlurne übertragen, um Risiken während des Transfers zu eliminieren.

Die Wahlberechtigung wird über das Wählerverzeichnis gesteuert, dessen Inhalte beim Online-Wahldienstleister pseudonymisiert vorliegen (können) und über organisatorische Mechanismen distribuiert werden können. Das POLYAS Online-Wahlsystem kann sicherstellen, das wahlberechtigte Personen ihr Stimmrecht nur einmal ausüben können und dass nicht-autorisierten Personen der Zutritt zum Wahlsystem verwehrt bleibt.

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Stimmauszählung

Die automatische Stimmauszählung bei einer Online-Wahl bietet organisatorische Vorteile durch die zeitnahe Bereitstellung des Ergebnisses ohne manuelle Aufwände.

POLYAS bietet zudem Nachweise für die Korrektheit der Auszählung:

  • Nachzählung des Wahlergebnisses durch ein unabhängiges Verifikationstool (Universelle Verifikation)
  • Ausgabe der anonym abgegebenen Stimmzettel im Excelformat für „händisches Nachzählen“

Vorteile von sicheren Fernwahlsystemen

Fernwahlverfahren haben naturgemäß Vorteile für die Wahlberechtigten. Steigt ihre Nutzung, wird die Anzahl der über Fernwahl abgegebenen Stimmen signifikanten Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Daher müssen entsprechende Ansprüche an die Sicherheit gestellt werden.

Mit einer Briefwahl kann eine Manipulationsfreiheit nicht bewiesen werden. Es wird daher immer wieder von Fällen berichtet werden, bei denen durch unsachgemäße Eingriffe zum Teil Wahlergebnisse beeinflusst worden sind.

Bei der Umsetzung einer Online-Wahl muss sichergestellt sein, dass das eingesetzte System den geltenden Wahlgrundsätzen entspricht und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen einsetzt, die nachhaltig Manipulationspotenziale eliminieren. Nach dem aktuellen Stand der Technik ist eine (nachweislich) sichere Online-Wahl möglich.

Über 500 Organisationen wählen ihre Gremien online mit POLYAS und vereinfachen das Wahlmanagement. Testen Sie die Online-Wahl jetzt kostenfrei!

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